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Rassestandard des Bedlington Terrier
Der erste Rassestandard wurde 1870 und der heute geltende 1924 (durch die Bedlington Terrier Association) festgelegt.Die knappen Darstellungen, der Verzicht auf allgemeine kynolgische und anatomische Richtlinien sowie das Fehlen exakter Bezugspunkte setzen bei seinerAnwendung Erfahrungen voraus.einige Ergänzungen sollten diese Problematik an Hand des Orginaltextes,der jedem Abschnitt vorangestellt ist, skizzieren.
Siehe auch Rassegeschichte und Welcher Verband ist der Richtige
Rassestandard und Erläuterungen

Allgemeine Erscheinung
Ein anmutiger, geschmeidiger und muskulöser Hund, weder schwächlich noch grob wirkend. Der Kopf birnen- oder keilförmig, Ausdruck freundlich, sanft, ohne jede Scheu und Nervosität. In der Erregung sollten seine Augen funkeln, sein Körper Temperament und Mut ausdrücken. Der Bedlington Terrier ist imstande, sehr schnell zu galoppieren, und diese Fähigkeit muß man ihm auch ansehen können Diese Fähigkeit ist ein besonderes Charakteristikum der Rasse. In den langsameren Gangarten bewegt er sich zierlich, leicht federnd. Beim Galoppieren setzt er den ganzen Körper ein wie ein Greyhound.
In diesen einleitenden Abschnitt des Standards werden Merkmale des Bedlington Terriers beschrieben, die den Rassetyp auf den ersten Blick kennzeichnen.
Anmut und Geschmeidigkeit- vom Richter meist mit „Eleganz" umschrieben - weisen auf die typische Linienführung des Gebäudes hin, welches trotzdem weder schwächlich noch grob, sonders muskulös sein soll.
Der mitunter falsch gedeutete sanfte Ausdruck soll in der Erregung sein Temperament ausdrücken. Da Scheu und Nervosität gleichzeitig als unerwünscht ausgeschlossen werden, lassen sich Schlüsse auf das Wesen ziehen. Verhältnismäßig breit wird hier bereits auf die Fähigkeit des Galoppierens und die charakteristischen Gangarten eingegangen. Damit und in der Folge wird die große Bedeutung gerade dieser Standardmerkmale deutlich.

Kopf und Schädel
Schädel schmal, doch tief und gerundet; bedeckt mit üppigem, seidigem fast weißem Schopfhaar, Langer, sich nach vorn verjüngender Kiefer. Kein Stop (Stirnabsatz); die Linie vom Hinterhauptbeinstachel zur Nasenspitze verläuft gerade und ungebrochen. Unter den Augen gut ausgefüllt. Eng schließende Lippen, ohne Lefzen. Die Nase groß und klar abgegrenzt. Blaue und blau- -und lohfarbene Bedlington Terrier haben schwarze, leber- und sandfarbene dagegen braune Nasen. Gebiss Schere. Zähne groß und kräftig.

Der Schädel sollte schmal und keilförmig sein. Schmal im Sinne des Standards ist er, wenn
- der Oberkopf nicht zu breit ist,
- die Kaumuskulatur flach anliegt, damit die Backenpartie nicht hervortritt, und
- keine stark hervorstehenden Jochbögen vorhanden sind.
Die Keilförmige Form wird durch den sich nach vorn verjüngten Fangbestimmt. Dieser darf jedoch nicht wie beim Keil spitz auslaufen, da der Standard ein Gebiss mit großen kräftigen Zähnen fordert.
Der Bedlington Terrier sollte deshalb einen vollen Fang, in dem ausreichend Platz für ein kräftiges und vollständiges Gebiss ist, haben. Auch die geforderte große Nase deutet in diese Richtung.
Ein insgesamt sehr langer Kopf - wie ihn Richter und Züchter oft wünschen - wird vom Standard nicht gefordert. Lediglich der Kiefer soll lang sein.


Augen
Klein, glänzend und tiefliegend. Das ideale Auge erscheint wie ein Dreieck. Blaue Bedlington Terrier haben dunkle Augen, blau- und lohfarbene hellere mit Bernsteinschimmer, leber- und sandfarbene Bedlington Terrier hellhaselnußfarbene Augen.

Hier sollte noch auf einige im Standard nicht angesprochene Probleme hingewiesen werden.
Dazu gehören ungenügend anliegende und eingestülpte Lider (Entropium) sowie chronisch tränende Augen. Letzteres führt zu unschönen bräunlichen Verfärbungen des Haares. Wie bei einigen anderen Rassen wird auch beim Bedlington Terrier vermutet, dass die in der Zucht angestrebten kleinen und tiefliegenden Augen eine Häufung von Lidanomalien mit sich bringen. In diesem Punkte scheint deshalb eine maßvolle Strenge in der Standardauslegung angebracht.

Ohren
Von mäßiger Größe, lambertnußförmig, tief angesetzt und flach an den Wangen herabhängend; bedeckt mit kurzem, feinem Haar, an der Spitze mit einer Franse aus weißlichem, seidigem Haar

einige heute als Zuchtfehler angesehene Mängel werden vom Standard nicht erwähnt. So die verbreiteten Knorpelfalten im Ohr, das Fehlen der am hinteren Ohrrand liegenden Tasche und das zu fleischige, dicke Ohr.
Die Angaben zu Form und Größe des Ohres sind so vage, dass sie vielfältige Auslegungen zulassen. Begriffserklärungen in neueren Standardübersetzungen führten nicht viel weiter.

Hals
Lang und sich verjüngend, tief im Ansatz; keine Neigung zu Kehlhaut. Der Hals muß sich gut aus den Schultern herausheben und den Kopf ziemlich hoch tragen.

Als wichtig für die Gesamtharmonie sind ferner die Dicke des Halses und seine Querschnittsform zu betrachten. Von der Anatomie des Hals/Schulterbereiches ist ferner die Kopfhaltung abhängig, die ganz wesentlich den Adel des Bedlington Terrier beeinflußt.

Vorderhand
Vorderbeine gerade, an der Brust weiter auseinander als an den Füßen..Der Vordermittelfuß lang und mit leichter Schrägung, ohne schwache Stelle, Schultern flach und abgeschrägt.

Hierzu gibt es weit mehr Wichtiges zu sagen, als dies der Standard tut.
Gerade Vorderbeine setzen - von vorn betrachtet - voraus, dass der Mittelfußknochen weder nach innen , noch nach außen gedreht wird. Ersteres ergibt zehenengen, letzteres zehenweiten(französischen) Stand, diebeide unerwünscht sind.
Von der Seite aus betrachtet soll die Winkelung zwischen dem schräg gelagerten Schulterblatt und dem Oberarm etwa 90° betragen. Dadurch entsteht die nicht erwähnte Unterstellung der Vorderbeine unter den Widerrist. Ist der Oberarm genügend lang, so ergeben die genannten Faktoren die Voraussetzung für das gewünschte Raumgreifende Gangwerk. Für das federnde und leicht Gangwerk zeichnet der Winkel zwischen Unterarm und Mittelhand verantwortlich.
Ist diese Winklung zu gering, erscheint der Gang hart und unelastisch; ist sie zu groß, sprechen wir von einerdurchgetretenen Vorderhand.
Die häufig genannte schmale Front wird im Standard nicht erwähnt. Sie ist vielmehr durch die Brustbreite und die anliegenden Schultern vorgegeben, wobei überspitzte Forderungen gegen die Standardforderungen hinsichtlich Konstitution und den in Brusthöhe weiter auseinander als an den Füßen stehenden Beinen verstoßen.

Körper
Muskulös, doch auffallend geschmeidig; die Brust flachrippig und tief, gut aufgerippt, dabei mäßig breit. Der rücken plötzenähnlich gebogen, die Lendenpartie auffallend hochgezogen. Muskulöses, zum Galoppieren prädestiniertes Hinterteil, dabei jedoch edel und anmutig.

Wie Eingangs erwähnt, werden auch hier Geschmeidigkeit ,anmut und edle Erscheinung gleichzeitig mit guter Bemuskelung gefordert. Eine schwächliche Muskelkonstitution wird damit ausgeschlossen. Ähnliches gilt für den Knochenbau. So soll die Brust zwar flachrippig und tief, jedoch auch gut aufgerippt und dabei mäßig breit (!) Sein. Die flachrippige, aber zu schmale Brust ist mit einer standardwidrigen fast parallelen Stellung des vorderen Beinpaares verbunden, Ferner führt die wie auch die tonnige und mit ungenügender Tiefe verbunden Brust dazu, dass deren Innenraum zu klein ist, um den Organen für ihre gesunde Entwicklung Platz zu bieten.
Die Rückenwölbung soll beim Bedlington Terrier im stand und Bewegung gut ausgeprägt sein. Sie setzt sich zum Kopf und zur Kruppe hin als harmonische Bogenlinie fort. Die untere Umrißlinie verläuft von der Brust als tiefsten (durch Haar betonten) Punkt ansteigend zur auffallend hochgezogenen Lendenpartie und geht dort in eine abfallende Bogenlinie über. Der Übergang von der abfallenden Kruppenpartie zur Hinterhand erfolgt fließend. Die hinsichtlich der Körperlänge üblichen Forderungen nach kurzem oder quadratischen Körperformat sind im Standard nicht enthalten.

Hinterhand
Muskulös und von mäßiger länge. Die Hinterbeine wirken durch den plötzenähnlich gebogenen Rücken und die hochgezogene Lendenpartie länger als die Vorderbeine, die die Sprunggelenke kräftig und tief.

Das Hauptaugenmerk liegt auf der bereits früher erwähnten Lendenpartie und dem Kruppenübergang. Keinesfalls darf der Bedlington Terrier in der Kruppenpartie höher stehen als im Widerrist. Das Hüftbein muß schräg gelagert sein (steiles Becken). Ein horizontal verlaufendes Becken ergibt die unerwünschte gerade Kruppe mit meist hoch angesetzt erscheinender Rute. Die korrekte Lage des Hüftbeines und die Länge des Oberschenkels ermöglichen den Raumgreifenden Schritt. Ist die Hinterhand zudem in den Knien gut gewinkelt und sind die Sprunggelenke tief angesetzt und kräftig, so geht von ihr der erstrebte kräftigere Schub für den schnellen rassetypischen Galopp aus.

Pfoten
Lange Hasenpfoten mit dicken und gut geschlossenen Ballen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Hunderassen hat der Bedlington Terrier einen schräg gestellten Vordermittelfuß und ausgeprägte Hasenpfoten.
Katzenpfoten gelten als schwereFehler, Ballenrisse, die früher verbreitet waren, werden ebenfalls bemängelt.

Rute
Von mäßiger Länge, dick am Ansatz, sich zur Spitze verjüngend und anmutig gebogen. Tief angesetzt, darf nicht über den Rücken getragen werden.

Eine korrekte Rute soll - obwohl dick am Ansatz - dort nicht zu stark auftragen, sondern harmonisch die abfallende Rückenlinie fortsetzen. Ihre Länge mißt man, indem man sie an die Hinterhand anlegt. Sie soll etwa bis zum Sprunggelenk reichen. Extreme Länge oder Kürze stören die Gesamtharmonie. Die Rute verjüngt sich allmählich und darf keine Knicke, Verwachsunngen oder Versteifungen aufweisen.

Haar
Sehr charakteristisch. Dicht und flockig, gut von der Haut abstehend, ohne drahtig zu sein Deutliche Neigung zur locke, besonders am Kopf und Vorgesicht.

Diese Beschreibung hat in der Praxis verschiedene Auslegungen erfahren.
Verbreitet ist die Ansicht , dass die Mischung von weicher Unterwolle und harter Granne ein Verhältnis von 2:1 aufweisen soll. Abgelehnt wird zu wattiges und zu seidiges Haar, gewünscht ein möglichst dichtes Mischhaar, das gut absteht und leichte Locke zeigt. Die Komplizierte besondere Problematik dieses Standardmerkmals kann hier nicht dargelegt werden.

Farbe
Blau, blau- oder lohfarben, leber- oder sandfarben.

Als weiterer Farbschlag wird gelegentlich leber- und lohfarben (liver and tan) genannt. Eine Trennung zwischen den Farbschlägen gibt es weder auf Ausstellungen noch in der Zucht.

Gewicht und Größe
Schulterhöhe (16") etwa 41 cm. Dieses Maß erlaubt geringfügige Abweichungen; bei Hündinnen nach unten, bei Rüden nach oben. Das Gewicht liegt zwischen 8,2 bis 10,5kg.

Für die Auslegung des Größenstandards gilt heute eine Abweichung von 1 Zoll (2,54cm) von der 41 cm Grenze als standardgerecht. Danach dürfen Rüden bis zum Limit von etwa 43,5cm nach oben hin vom Nennwert abweichen, während Hündinnen um den gleichen Betrag niedriger gestellt sein dürfen (bis etwa 38,5cm).
Der Rassestandard ist das maßgebliche Leitbild für Züchter, zuchtwart und Richter. Es genügt jedoch nicht , die in ihm genannten Merkmale zu erkennen, sie zu summieren und daraus ein Urteil abzuleiten.
Die Erfüllung oder Nichterfüllung der einen oder anderen Vorschrift ist nicht alleiniges Kriterium.
Eine Vielzahl allgemeiner kynologischer Regeln ergänzt das hier vorgestellte Vorschriftenwerk.
Komplexe Kriterien wie die Harmonie, der Adel, der Rasse- oder Geschlechtstyp sowie Konstitution und Kondition ergeben das vollkommene Gesamtbild.


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